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AWO Mahnmal im KZ Sachsenhausen eingeweiht

21.06.2009 Gedenkstein der AWO Werkstätte für behinderte Menschen Dortmund erinnert an Hunderttausende verfolgte und ermordete Mitglieder der Arbeiterbewegung unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

„Kein Mensch, der hier gelitten hat, ist vergessen“, sagte SPD-Chef Franz Müntefering in einer bewegenden Rede zur Einweihung des AWO Mahnmals für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen am Samstag.
„Hunderttausende AWO Mitglieder sind verfolgt, misshandelt, vertrieben oder ermordet worden. Sie teilten das Schicksal vieler Millionen Menschen, deren Ideale und Werte die Nazis gezielt und brutal vernichteten“, sagte AWO Präsident Wilhelm Schmidt. Er erinnerte daran, dass die SPD und die aus ihr hervorgegangene Arbeiterwohlfahrt gleich nach der Machtergreifung Hitlers verboten wurden und Tausende ihrer Mitglieder als „Politische“ Gefangene in das nahe Berlin gelegene KZ Sachsenhausen verschleppt wurden, das als Modell und Zentralverwaltung für das Nazi-Vernichtungssystem diente.
SPD-Chef Müntefering erinnerte an die SPD-Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz, die 1919, vor genau 90 Jahren, die Arbeiterwohlfahrt ins Leben rief. „Vorher kümmerten sich die Frau Direktor und die Frau Bürgermeister um Almosen für die Armen. Doch Marie Juchacz ging es um die Gründung eines Demokratischen Wohlfahrtswesens“, betonte Müntefering. „Die Gründerin der AWO wusste, es muss beides geben: Einen Sozialstaat mit sozialen Rechten und die organisierte Solidarität der Menschen.“ Nicht mehr nur auf Barmherzigkeit zu hoffen, sei ein „menschheitsgeschichtlicher Fortschritt der Arbeiterbewegung und der AWO“ gewesen – auch darin begründete sich die erbitterte Gegnerschaft der Hitler Partei, „die sich, welch ein Hohn!, Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei nannte und die Vorherrschaft über die deutsche Arbeiterbewegung beanspruchte“, sagte Müntefering. „Die Nazis beschlagnahmten das Vermögen und die Einrichtung der AWO – aber die Menschen bekamen sie nicht. Die Menschen der Arbeiterbewegung leisteten Widerstand. Und viele, sehr viele bezahlten das mit ihrem Leben“, sagte Müntefering.
„Stellvertretend für die Vielen erinnern wir an Paul Gerlach, der hier in im KZ Sachsenhausen am 10. Oktober 1944 im Alter von 56 Jahren sein Leben lassen musste“, sagte der AWO-Bundesvorsitzende Rainer Brückers bei der Enthüllung des „Mahnmals an die Generationen“. Paul Gerlach war geprägt von den Erfahrungen des 1. Weltkriegs, den er schwerverwundet überlebte. Diese Prägung war „Motor für sein sozialpolitisches Engagement, mit dem er sich als SPD-Stadtverordneter in Düsseldorf und ab 1928 auch als Reichstagsabgeordneter für Gesundheitsfürsorge, Arbeitslosenversicherung und Wohlfahrt einsetzte“, erzählte AWO-Chef Brückers. „Ab 1933 kämpfte Paul Gerlach gegen den brutalen Machtanspruch der Nazis, die ihn mehrfach verhafteten und schließlich hier im KZ umbrachten.“, erzählte Brückers, vor dem versammelten AWO Präsidium und Bundesausschuss sowie zahlreichen Gästen aus der Länder- und Bundespolitik.
Die Inschrift des Gedenksteins nennt Paul Gerlach „stellvertretend für alle während der Nazi Diktatur verfolgten und ermordeten Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt. Sie kämpften für eine freiheitliche und gerechte Gesellschaft und mussten für ihre Überzeugung und ihren sozialen Einsatz leiden und sterben“.
Das eindrucksvolle AWO Mahnmal zeigt einen fallenden Menschen, aus Metall gefräst und von bedrohlichen Stahlstiften umgeben. Es wurde von Mitarbeitern der AWO Werkstätte für behinderte Menschen Dortmund entworfen und gefertigt, die sich für das Projekt insbesondere mit der „Euthanasie“-Politik der Nazis beschäftigten, die behinderte Menschen gezielt als angeblich „unwertes Leben“ vernichteten.
AWO-Präsident Schmidt sagte: „Die ehemaligen Konzentrationslager sind Tatorte der schrecklichsten Verbrechen an Millionen unschuldiger Menschen. Sie sind Geschichtsorte, die die Erinnerung an diese Taten wach halten. Sie sind Gedenkorte für jeden einzelnen betroffenen Menschen, und sie sind Mahnorte, die alle Generationen aufrufen, sich der Greueltaten bewusst zu werden und fest dafür einzutreten, dass so etwas Nie Wieder geschieht!“
"Sicher ist nichts, soziale Gerechtigkeit muss immer wieder erkämpft und gestaltet werden", betonte Müntefering, "und die AWO, mit ihrem Symbol des Roten Herzens, wird wie seit 90 Jahren dafür sorgen, dass es weiter schlägt."