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Für eine rezeptfreie „Pille danach“ – der Bundesratsbeschluss muss umgesetzt werden

03.07.2014 „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 30 Jahre sprechen dafür, dass die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel endlich auch in Deutschland von der Rezeptpflicht zu befreien ist“, so AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker anlässlich der gestrigen Anhörung im Gesundheitsausschuss zur „Pille danach“. „Wir begrüßen es ausdrücklich, dass sich der Gesundheitsausschuss erneut mit dem Thema Rezeptfreigabe der „Pille danach“ befasst hat und fordern, dass der Bundesratsbeschluss umgesetzt wird.“

„Ein elementarer Bestandteil selbstbestimmter Sexualität ist die Verhütung“, so Döcker weiter, „Frauen sollen ohne äußere Kontrolle frei über ihren Körper und ihre Sexualität entscheiden können.“ Es gibt keine sachlichen Gründe, die rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel abzulehnen, wie auch die Empfehlungen des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von 2003 und 2014 zeigen. Auch die Weltgesundheitsorganisation stuft das Präparat als sichere und gut verträgliche Notfallverhütung ein. Sollte eine Schwangerschaft schon vorliegen, hat Levonorgestrel weiterhin keine Nebenwirkungen auf den Embryo und führt nicht dazu, dass die Schwangerschaft abgebrochen wird.

Der Wirkstoff Levonorgestrel ist vor allem in den ersten 24 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr wirksam. Die Pille danach wirkt umso effektiver, je früher sie nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Durch die Rezeptpflicht muss jede Frau zunächst eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Noch immer gelangen Frauen an Wochenenden und Feiertagen nur über große Umwege an das Rezept für die Pille danach und oftmals nur mit langen Wartezeiten und schwierigen Anfahrtswegen insbesondere in ländlichen Regionen.

Deutschland ist außer Italien, Polen und Ungarn das einzige europäische Land in dem die Rezeptfreiheit nicht gegeben ist und legt Frauen damit große Steine in den Weg, selbstbestimmt und eigenverantwortlich Familienplanung zu betreiben. „Deshalb ist ein niedrigschwelliger Zugang zur Pille danach wichtig“, unterstreicht Döcker. „Frauen sind in der Lage, informierte Entscheidungen zu treffen und Apotheken verfügen über genug Beratungskompetenz in diesem Bereich. Beide Tatsachen müssen endlich anerkannt werden.“ Darüber hinaus spricht sich die AWO im Zuge einer rezeptfreien Abgabe der Pille danach für eine Übernahme der Kosten für Frauen mit geringem Einkommen aus, damit für alle Frauen ein niedrigschwelliger Zugang gewährleistet ist.